Wolfsführung in der Howl Night

Das Verhalten der Wölfe verstehen

Jollyscouts Alana und Veronika berichten: Howl-Night-Führung | 07/23

Wusstest du, dass nordamerikanische Wölfe weniger scheu sind als europäische Wölfe und, dass die Hierarchie im Wolfsrudel gar nicht so ausgeprägt ist, wie es immer erzählt wird? Bei der Howl-Night erfährst du einiges zu den mystischen Tieren und die Führung verspricht den ein oder anderen Fakt, den du bestimmt noch nicht wusstest.

Fotocredit © Creartive Pixels 2023

Der Auftakt der Howl Night

Nach einer guten Stunde kommen wir mit dem Auto aus Wien in Dörfles an und finden uns sogleich vor dem Wildparkeingang Ernstbrunn wieder. Wir sind ein bisschen zu früh und entscheiden uns dafür die Umgebung noch ein bisschen zu erkunden. Wir beobachten ein paar Ziegen beim Herumtoben und einen Esel beim genüsslichen Abendessen. Währenddessen fällt uns auf, dass sich immer mehr Menschen zu uns gesellen und kurz vor 19:30 werden wir von Marlene begrüßt und auf das Gelände des Wolfsforschungszentrum geführt. Sie ist eine der vielen Helferlein, die im Forschungszentrum arbeiten. Wir teilen uns in zwei Gruppen und folgen Franziska ganz gespannt den Schotterweg hinauf, tiefer in den Wald hinein. Sie ist unsere heutige Gruppenführerin und eine der Wolfstrainerinnen im Zentrum. Wir bleiben beim ersten Gehege stehen und Franziska berichtet uns zu Beginn von ein paar interessanten Ergebnissen eines spielerischen Experimentes. Danach bringt sie uns zum Welpen-Aufzuchthaus, wo wir dann auch gleich die ersten Wölfe zu Gesicht bekommen, die am Gehege-Rand herumschleichen. Zuerst sind wir uns nicht sicher, ob es Hunde oder Wölfe sind – Franziska erklärt uns, dass diese Wolfsart etwas kleiner und deswegen schwerer zu erkennen ist.

So marschieren wir in unserer Gruppe von Gehege zu Gehege und legen immer wieder einen kurzen Stopp ein, um die süßen Vierbeiner zu bestaunen. Dabei fällt uns auf, wie ruhig und entspannt die Tiere in der Gegenwart von Menschen sind. Einige haben wir durch unsere Anwesenheit aus ihrem Schönheitsschlaf geweckt. Diese fielen aber, nach einem kurzen Kopf heben und Umgebung abchecken, sofort wieder in den Schlaf. Andere Wölfe zeigen großes Interesse an uns und beobachten das Geschehen um sie herum.

An diesem Tag hat uns ein weiterer Vierbeiner in der Gruppe begleitet – der Hund einer Teilnehmerin. Meine Gedanken waren zuerst: „Das kann nicht gut gehen, einen fremden Hund in die Nähe der Wölfe zu lassen“, aber lass mich dir eines verraten: Das Wolfsrudel war wesentlich entspannter den fremden Hund zu sehen als das Hunderudel.

Next Stop: Das Hunde-Gehege

Von Weitem nehmen wir bereits das Bellen der Hunde wahr – es waren drei Hunde, die uns aus dem Gehege begrüßen. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Rasse, sondern auch in ihrem Verhalten. Auf den ersten Blick ist es befremdlich die Vierbeiner „hinter Gittern“ zu sehen, jedoch ist das die wichtigste Voraussetzung für die Forschung hier in Ernstbrunn: Wolf und Hund werden unter den gleichen Bedingungen aufgezogen, um ersichtliche Unterschiede im Verhalten herauszufinden. Deswegen handelt es sich bei den Hunden auch nicht um Rassetiere, sondern Mischlinge, damit die Forschung durch Reinrassige-Charakterzüge verfälscht wird.

Nachdem die Drei uns zu Ende begrüßt haben, gewöhnen auch sie sich an die Anwesenheit der Gruppe.

Wolfsführung in der Howl Night

So gleich und doch so verschieden – Wolf vs. Hund

In einem Forschungszentrum geht es bekanntlich darum neue Dinge herauszufinden – aber was genau wird hier in Ernstbrunn eigentlich erforscht? Dass es um Wölfe geht, ist ja schon mal klar, aber hier werden konkret die Unterschiede im Verhalten zwischen Wölfen und ihren Artgenossen, den Hunden, beobachtet. Dabei geht es vor allem um unterschiedliche Verhaltensmerkmale, die sich über Jahrtausende der Evolution bei den Tieren herauskristallisiert haben. Die Forschung selbst darf man sich hier aber nicht wie in einem Labor vorstellen. Denn Wolf und Hund lösen spielerisch Aufgaben, bei denen es meistens darum geht, Futter zu beschaffen. Dabei wird beispielsweise auf die Teamfähigkeit der Tiere erforscht und beobachtet, wie sie gemeinsam die Aufgabe lösen, die ein Tier alleine gar nicht schaffen könnte.

Um vergleichbare Daten zum Verhalten zu erhalten, werden Hunde und Wölfe auf gleiche Weise per Hand von „Pfotenaufziehern“ aufgezogen und anschließend in voneinander getrennten Gehegen gehalten. Die Trainer:innen bringen den Welpen beider Tierarten bereits im jungen Alter erste Kommandos bei, die später vor allem in der medizinischen Betreuung sehr hilfreich sind. Für einen Wolf ist es beispielsweise nicht normal „Pfote“ zu geben, dieser Befehl hilft den Forscher:innen aber im Zuge medizinischer Routine-Untersuchungen. Durch regelmäßige Übung gewöhnt sich der Wolf so an das Abtasten des Körpers.

Das Forschungszentrum beherbergt insgesamt 5 Hunde- und 5 Wolfsrudel, wobei die maximale Rudelgröße aus 3 Tieren besteht. Das liegt daran, dass in der freien Wildbahn das Jungtier sich irgendwann von den Eltern trennen würde, um sein eigenes Rudel zu gründen, was in dem Forschungszentrum aus platztechnischen Gründen allerdings nicht möglich wäre, ohne dass sich die beiden Rudel in die Quere kommen.

Das Highlight des Abends

Das viele neue Wissen machtt uns hungrig und so führt uns Franziska zu einem mit Lichterketten beleuchteten Platz. Um uns herum stehen Bierbänke, geschmückt mit Kerzen, zwei kleine Zelte und in der Mitte erwarten uns zwei Lagerfeuer. Im Hintergrund nehmen wir Musik wahr und sehen, wie sich die Leute beginnen vor den Zelten aufzureihen: Es gibt Grillwürste, die wir selbst mit einem Spieß über dem Lagerfeuer grillen können. Die Stimmung ist unglaublich schön und lieblich, und während wir es uns am Feuer gemütlich machen breitet sich die Dunkelheit über unseren Köpfen immer weiter aus. Die Lichterketten funkeln zwischen den Bäumen und die Feuerstellen sorgen mit den Kerzen für atmosphärisches Licht im Wald.

Wolfsführung in der Howl Night

Das war aber noch nicht alles!

Zum Abschluss bekommen wir von einer Trainerin die zuvor erwähnten Tricks vorgeführt, die beispielsweise für eine gesundheitliche Routine-Untersuchung notwendig sind. Uns wird erzählt, dass diese Wolfsdame mehr als nur die wichtigsten Kommandos vorführen kann. Neben dem Abtasten am ganzen Körper, ist es auch wichtig eine Leine ohne Probleme anlegen zu können. Auch Kommandos wie zum Beispiel „Pfote geben“ oder sich im Liegen auf die Seite drehen zu können, sind wichtig, um bei einer notwendigen Untersuchung an verschiedene Körperstellen zu gelangen. Zu guter Letzt zeigt sie uns ihr außergewöhnlichstes Kommando: Wie auf Knopfdruck beginnt die Wolfsdame mit ihrem Schwanz zu wedeln, wie ein Hund, der sich freut, seine Besitzer zu sehen. Wir sind ganz erstaunt und finden die Vorführung sehr entzückend, da die Wolfsdame stets bereit ist uns neue Kommandos zu präsentieren.

Wolfsführung in der Howl Night

Unser Fazit

Egal, ob du schon Wissen über Wölfe oder noch gar keine Ahnung über die Tiere hast, dieser Abend wird dir einige spannende Einblicke geben. Die Howl-Night ist für alle, die ein Herz für Tiere haben und tiefer eintauchen wollen in die faszinierende Welt der Vierbeiner. Ob mit deinem eigenen Rudel unterwegs, oder dem Herzensmensch an der Seite - dieser Abend bleibt in Erinnerung. Übrigens auch ein tolles Event, um es mit der ganzen Familie erleben! Die Live-Präsentation und das hautnahe Erlebnis beeindruckt nämlich groß und klein!

Die Führung wird permanent durch interessante Facts über die Tiere begleitet. Auch deine individuellen Fragen werden von Franziska beantwortet. Für uns als Wolfshunde-Neulinge war die Howl-Night ein faszinierendes Abendprogramm . Nicht nur das Beobachten der Wölfe und Hunde, sondern auch das neu erlangte Wissen, lässt uns mit einem Lächeln im Gesicht zurück nach Wien fahren.

Auch du kannst einen unvergesslichen Abend bei der Howl Night in Ernstbrunn erleben. Die faszinierenden Vierbeiner freuen sich schon auf deinen Besuch:

Howl Night inkl. Führung
€ 38
Howl Night inkl. Führung

Es ist eine ganz besondere Stimmung, wenn es im Wildpark Abend wird, man am knisternden Lagerfeuer sitzt und den Wölfen lauscht! Außergewöhnlich schön von Natur und Wald umgeben bieten wir den perfekten, stimmungsvollen Rahmen für ein unvergessliches Abendprogramm. Es beinhaltet eine etwa 1-stündigen Führung, Würstchen grillen am Lagerfeuer und eine abschließende Live-Präsentation mit einem unserer Wölfe, bei der du Mensch und Tier in Aktion sehen kannst.

Dörfles
4,6
(2)

Wir bedanken uns recht herzlich bei Chris @creartive_pixels, der uns im Zuge der Howl Night die Bilder zur Verfügung gestellt hat.

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